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Wort zum Monat Juli 2016

Liebe Gemeinde,

 

Urlaub – Das wahre Leben und das Geschenk der Schönheit Endlich ist er da, der Sommer! Bei Ausgrabungen in Algerien hat man eine antike Inschrift gefunden, auf der steht: Jagen, Baden, Spielen, Lachen – das ist Leben. Endlich leben: dazu ist der Sommer, der Urlaub da! Oft empfinden wir das Jahr im Büro, den Alltag am Arbeitsplatz eher als Unleben! Wenn es also das Leben zu finden gilt im Urlaub, dann lohnt sich sogar die Geduldsprobe der stundenlangen Staus und der Warterei am Flughafen. Diese Hoffnung auf Entspannung und Freiheit ist zutiefst menschlich. Und doch erlebe ich es immer wieder, dass Urlaubsrückkehrer nicht wirklich erholt sind. Es ist schwer, die freie Zeit richtig zu füllen (Kulturprogramm, am Strand liegen oder körperlicher Einsatz?), und die das Jahr über angestauten Erwartungen an den Urlaub nicht zu überhöhen. Aus der Automatik der Arbeitswelt entlassen, merkt der Mensch, dass Erholung nicht automatisch gleich „Leben“ ist. Thomas von Aquin, der große mittelalterliche Theologe, war ein großer Menschenkenner. Für ein gutes Leben empfiehlt er – ebenso wie schon die römischen Vorfahren – zunächst drei Dinge: Baden, Schlafen und Zerstreuung. Er würde allerdings hier nicht sagen, dass die bloße Erholung schon „Leben“ sei. Thomas fügt noch ein weiteres wichtiges Element hinzu: das Zusammensein mit Freunden, das die Einsamkeit, die ja meist der Grund unserer Traurigkeit ist, aufbricht. Zuletzt erwähnt Thomas bezüglich des wahren Lebens etwas Überraschendes : das Umgehen mit der Wahrheit. Wenn die Wahrheit miteinander keinen Platz in unseren Urlaubsplanungen hat, dann werden wir auf der Suche nach dem verlorenen Leben nicht fündig. Entspannung – das gehört zum Urlaub, und hoffentlich haben wir viel Sonne und Ruhe dazu. Aber wenn wir auf Thomas von Aquin hören, sollten wir auch der Wahrheit, die eng mit Gott selbst verknüpft ist, Raum geben. Die wunderschöne Natur dieser Erde, die ja gerade im Urlaub besonders erfahren wird, weil wir Zeit haben, sie zu genießen, lädt uns auf besondere Weise ein, zu Gott zu finden. Wer schon einmal richtig von der Schönheit berührt wurde, wer schon einmal angefangen hat zu staunen ob der Schönheit einer Sternennacht etwa – oder ob der Schönheit eines von Menschenhand errichteten romanischen Kirchbaus, oder ob der Höhe eines erklommenen Gipfels in die Weite schaut, und dabei vom „Schauder der Schönheit“ erfasst wird, wird feststellen, dass die Schönheit keinem Zweck dient, ja, dass sie überhaupt nur von dem erfahren wird, der sie zu würden weiß (dazu gehört Muße!). Wozu gibt es dann das Schöne, das keinem Zweck dient und eigentlich auch nur vom Menschen gewürdigt werden kann, also von dem, der Zeit hat, sie wahrnehmen und und sich von ihr treffen lassen kann? Dann sind wir schon mitten im Staunen. Das Staunen ist, so sagt es Platon, die Kraft, die uns zum Nachdenken, zum Suchen der Wahrheit bringt. Und dann sind wir schon wieder ganz nah bei dem, was der Heilige Thomas meint, wenn er Erholung mit der Wahrheit verbindet. Für die Alten war das Schöne auch immer das Wahre! Viel Freude auf der Suche nach dem wahren Leben – möge die Schönheit, die wir im Urlaub finden, uns zur Wahrheit führen und damit zum wahren Leben!

Kaplan Marc-Anton Hell
Pfarradministrator